Vintage, Secondhand, gebraucht statt neu. Diese Begriffe sind in aller Munde. Kein Wunder, denn der Trend zu mehr Nachhaltigkeit in der Mode ist seit wenigen Jahren deutlich spürbar. Während Kleidertauschpartys oder Flohmärkte schon einige Jahrzehnte stattfinden, ist das digitale Gebrauchtwaren-Shopping eine neue Entwicklung. Neben Willhaben, Ebay und Shpock hat vor allem Vinted in den vergangenen Jahren besonders an Bekanntheit und Beliebtheit erlangt. Ich frage mich: Warum erfährt Vinted momentan so viel Zuspruch und wie nachhaltig ist Onlineshopping damit? Gibt es Möglichkeiten, es selbst im Alltag umweltschonender anzustellen?
Was ist Vinted überhaupt?
Vinted ist eine kostenlose App und Website, die sich selbst als “Online-Marktplatz zum Kauf und Verkauf von Second-Hand-Artikeln“ beschreibt.[1] Sie wurde 2008 in Litauen gegründet und erreichte dort als erstes Tech-Unternehmen den Einhorn-Status, ist also ein privat geführtes Start-up mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar.[2] Sie ist vorrangig für den Verkauf von Kleidung bekannt, unter Kategorien wie “Elektronik” oder “Unterhaltung” werden allerdings auch andere Gegenstände angeboten.[3]
Wachsende Bekanntheit – ein paar Zahlen
Zur Zeit der Gründung des Unternehmens wurde Secondhand-Shopping im Großen und Ganzen lediglich mit Flohmärkten und Secondhand-Läden verbunden, in den letzten 15 Jahren hat die Branche allerdings einen großen Wandel erfahren.[4] Dies geht beispielsweise mit dem gesteigerten Interesse der Gesellschaft an Nachhaltigkeit, insbesondere der jungen Generationen, einher. Junge Menschen seien offener für Secondhand, dabei spielen beispielsweise die Aspekte “Freude daran”, “einzigartige Stücke” und “Umweltbewusstsein” eine Rolle.[5] So schreibt Vinted in seinem “Impact Report”, basierend auf einer Studie, die in Zusammenarbeit mit “Vaayu” durchgeführt wurde, dass 19 Prozent der 100.000 Teilnehmenden in erster Linie aus Gründen der Nachhaltigkeit bei Vinted kaufen.[6] Wie eine Nutzungsstatistik der App zeigt, liegen 44 Prozent der User:innenwischen 27 und 42 Jahren, 14 Prozent zwischen 11 und 26 Jahren.[7] Vinted führt die steigenden User:innenzahlen und Umsätze auf ebendiese Entwicklung zurück. Zurzeit sind bei der Plattform ungefähr 80 Millionen Personen aus über 20 Ländern registriert. Die Umsätze stiegen von 2022 auf 2023 um ganze 61 Prozent.[8] Im vergangenen Jahr erreichte Vinted seinen Rekord im Bruttowarenwert, die meisten verkauften Stücke kamen dabei aus Frankreich, der UK und Deutschland.[9]
Warum ist Vinted so beliebt?
Für den Boom, den Vinted, vor allem in Europa, erlebt, gibt es mehrere Erklärungen, die in der Aufmachung der Plattform liegen. So ermöglicht das C2C-Geschäftsmodell (Costumer to Costumer) den Nutzer:innen beispielsweise eine unkomplizierte und vor allem kostengünstige Verkaufsebene und -abwicklung.[10] Denn im Gegensatz zu beispielsweise Sellpy, einem anderen Secondhand-Unternehmen, das über das B2C-Prinzip (Business to Costumer) läuft, findet die Kommunikation sowie der Verkauf bei Vinted zwischen Verkäufer:in und Käufer:in selbst statt. Ein Hauptgrund für den Aufschwung sind daher die günstigen Preise, die durch die Chat-Funktion der App zusätzlich auch verhandelt werden kann. Zudem gibt es gute Filteroptionen, wie “Größe”, “Marke”, “Zustand” oder nach “Preis”, um durch gezielte Suchanfragen das Gesuchte einfach zu finden. Der “Vinted-Käuferschutz” ist eine Versicherung für Käufer:innen, wenn der bestellte Artikel beschädigt wird oder verloren geht. Die Plattform hat ganz klar einen Einfluss darauf, wie Menschen mit Mode umgehen. Gebrauchte Gegenstände, insbesondere Kleidung verliert langsam ihr schlechtes Image und Menschen kommen auf moderne Weise in Berührung mit Gebrauchtware. All das, was Vinted also für seine Kund:innen bietet, trägt im Endeffekt dazu bei, dass die App von so vielen Menschen gerne genutzt wird.
Wie es um die Nachhaltigkeit steht
Um seine Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit zu belegen, hat Vinted mehrere Dokumente veröffentlicht, die die Fortschritte und Ziele zeigen sollen. Allein im Jahr 2023 habe Vinted fast 700.000 Tonnen CO2 Emissionen vermieden. Mit ”vermieden” ist gemeint, dass der Neukauf von Produkten durch den Kauf von Secondhand-Artikeln ersetzt wurde.
Vermiedene Emissionen pro Kleidungsstück
| Blazer | 2,44 kg CO2e |
| Jeans | 2 kg CO2e |
| Jacken und Mäntel | 1,37 kg CO2e |
| Bademode | 0,39 kg CO2e |
Außerdem wurde die C2C-Bestellmethode und die dadurch eingesparten Emissionen beachtet.[11] Die Studie zeigte nämlich, dass 39 Prozent der gekauften Kleidungsstücke den Kauf eines neuen Produkts verhinderten. Bei neu gekauften T-Shirts liegt der CO2-Verbrauch beispielsweise bei fünf bis elf Kilogramm.[12] Mit einem Kauf bei Vinted werden im Durchschnitt 1,25 kg pro Stück an CO2 eingespart. Im Schnitt kaufen Personen in Österreich 60 Kleidungsstücke pro Jahr, was einen Verbrauch von 355 kg pro Person für Textilien darstellt.[13] Hochgerechnet auf die 60 Stück würden 1,25 kg Einsparung pro Teil jährlich auf jeden Fall einen bedeutenden Unterschied machen. Die Tabelle oberhalb zeigt, wie viele CO2-Emissionen verschiedene Kleidungsstücke verursachen.[14]Doch auch Vinted selbst ist der Grund für einige CO2-Emissionen. Schuld daran sind Betriebsabläufe und Versand so der Impact Report.[15] Bis 2050 hat sich Vinted das Ziel gesetzt, Netto-Null-Treibhausgasemissionen zu erreichen. Da die Paketzustellung mit 98 Prozent den größten Teil ihres CO2-Fußabdrucks zu verantworten hat, will Vinted die Zustellung an Paketabholstationen und kohlenstoffdioxidarme Bestellmöglichkeiten fördern.[16] Was die CO2-Bilanzen außerdem vermutlich stark senken würde, wäre das Einführen eines Standortfilters, durch welchen Nutzer:innen umweltschonender shoppen könnten. Zwar gibt es die Möglichkeit, den eigenen Wohnort manuell einzugeben, aber dies ist weder obligatorisch, noch garantiert akkurat. Der Grund, warum Vinted das bis jetzt noch nicht eingeführt hat, ist vermutlich der, dass Regionen mit wenigen User:innen weniger Gewinn bringen würden, wenn viele Menschen Wert auf die Regionalität beim Kauf der Ware legen.
Ein Abstecher zu #vinted
In Bezug auf die Generation Z fand eine Studie heraus, dass Social Media bedeutend mehr Einfluss auf das Konsumverhalten hat als das nahe soziale Umfeld. So erfährt die junge Generation also über Influencer:innen von Plattformen wie Vinted.[17] Als Teil dieser Personengruppe bemerke ich die Relevanz der sozialen Medien im Alltag selbst regelmäßig. Im Kontext von Vinted ist mir beispielsweise sofort folgender Tiktok-Trend eingefallen: Nutzer:innen halten die Verpackung, in der ihr bestelltes Kleidungsstück verschickt wird, in die Kamera, weil sie amüsant oder skurril ist. Es gilt sozusagen, die lustigste Verpackungsmöglichkeit zu finden. Dazu zählen Videos mit Pringles-Dose, Bananenschale oder Socken statt einem Verpackungskarton.

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Wie kann man nun damit umgehen?
Zusammenfassend kann man sagen, dass Vinted einige gute Aspekte zum Thema Nachhaltigkeit umsetzt und auf dem richtigen Weg ist. Neben dem Unternehmen selbst können allerdings auch App-Nutzende ihren ökologischen Fußabdruck minimieren, denn auf dem Weg in eine klimaschonende Zukunft kommt es auf alle an! Als Verkäufer:in kann man beispielsweise Sammelpakete mit Rabatten anbieten, auf diese Weise werden überflüssige Transportemissionen des Produkts und etwaige Anfahrtsemissionen zur Post eingespart. Wie bereits oben beim Tiktok-Trend erwähnt, spielt auch die Verpackung eine große Rolle. Das Umweltbundesamt empfiehlt, möglichst sparsam zu verpacken, Mehrwegmaterialien dafür zu benutzen oder solche Verpackungen zu gebrauchen, die einfach recycelt werden können. Es können nicht alle beliebigen Stoffe genutzt werden, denn Verpackungen müssen ein paar Anforderungen entsprechen, wie etwa Sichtschutz, und Schutz vor Nässe und Beschädigung. Für Textilien, die bei Vinted am häufigsten gekauft werden, brauche es keinen Stoßschutz, lediglich eine dünne Folienverpackung aus einer recyclebaren Kunststoffsorte wie PP und PE.[18]
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Als Person, die über Vinted einkauft, gibt es ebenfalls Dinge, auf die man achten kann. So sollten Käufer:innen darauf schauen, ihre Ware, sofern möglich, regional zu bestellen. Verkaufende teilen nämlich oft, woher sie kommen, und dies kann man nutzen. In erster Linie ist es wichtig, den eigenen Konsum zu reflektieren, um Überkonsum, den viele von uns in unserer Wegwerfgesellschaft verinnerlicht haben, zu bemerken und ihm entgegenzuwirken. Dies kann bei Secondhandware manchmal schwierig sein, schließlich gibt es viele Teile nur ein einziges Mal und der Hang zu Impulskäufen wird verstärkt. Um sich ein paar Dinge vor dem Kauf bewusst zu machen, können Fragen wie diese helfen:
- Kaufe ich gerade aus reiner Emotion heraus?
- Wie oft werde ich das Kleidungsstück anziehen?
- Habe ich schon ein sehr ähnliches?
- Kann ich mir mehrere Outfits damit vorstellen?
- Ist das Stück zeitlos oder an aktuelle Trends gebunden?
Was man außerdem immer bedenken sollte: Was mache ich, wenn das Kleidungsstück nicht so ist, wie ich es mir vorgestellt habe? Ob es die Größe, Passform oder Farbe ist – online zu kaufen birgt immer eine gewisse Unsicherheit. Umweltschonender ist es hierbei dennoch, nicht sofort den Rückversand zu wählen. Essenziell ist und bleibt, dass Secondhand nur so lange besser als ein Neukauf ist, wie es ihn ersetzt.
[1]
Europäisches Parlament: ”Fast Fashion”: EU-Gesetze für einen nachhaltigeren Textilkonsum. 29.12.2020. https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20201208STO93327/fast-fashion-eu-gesetze-fur-einen-nachhaltigeren-textilkonsum#die-folgen-von-fast-fashion-fr-die-umwelt–zahlen-und-fakten-8, 17.12.2025[2]
Global2000: Alte Textilien. 2022. https://www.global2000.at/alte-textilien, 17.12.2025.[3]
Grüne Erde: Wie Kleidung unsere Umwelt belastetet. https://www.grueneerde.com/de/emissionen.html, 17.12.2025.[4]
Halttunen, Julia: Vinted VS the World of Fashion Overconsumption. Understanding the role of sellers on online second-hand peer-to-peer platforms in the context of circular economy. 2025. https://www.doria.fi/bitstream/handle/10024/192534/halttunen_julia.pdf?sequence=2&isAllowed=y, 12.12.2025.[5]
Palomo-Domínguez, Isabel, et al.: Gen Z’s Motivations towards Sustainable Fashion and Eco-Friendly Brand Attributes: The Case of Vinted. 29.5.2023. https://www.mdpi.com/2071-1050/15/11/8753#Abstract,16.12.2025.[6]
Ou, Xin: Vinted – statistics and facts. 17.12.2025. https://www.statista.com/topics/12608/vinted/?utm_source=chatgpt.com#topicOverview, 17.12.2025.[7]
Umweltbundesamt: Versandverpackungen. 12.11.2019. https://www.umweltbundesamt.de/themen/abfall-ressourcen/produktverantwortung-in-der-abfallwirtschaft/verpackungen/versandverpackungen#leitfaden-des-umweltbundesamtes-fur-umweltgerechte-versandverpackungen-im-versand-und-onlinehandel-, 17.12.2025.[8]
Verbraucherzentrale: App-Test “Vinted”: Nachhaltig Klamotten shoppen. 15.8.2024. https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/nachhaltigkeit/apptest-vinted-nachhaltig-klamotten-shoppen-98281, 16.12.2025.[9]
Vinted: Ein Leitfaden zur Nutzung von Vinted. https://www.vinted.at/our-platform, 9.12.2025.[10]
Vinted: Making second-hand first choice. 2023.https://press-center-static.vinted.com/Impact_Report_EN_2023_d4e3d4399e.pdf,16.12.2025.[11]
Vinted: Was du auf Vinted verkaufen kannst. https://www.vinted.at/help/52-was-du-auf-vinted-verkaufen-kannst, 16.12.2025[12]
Vinted: Climate Change Impact Report. 2023. https://press-center-static.vinted.com/Vaayu_x_Vinted_Full_Climate_Impact_Report_2023_9a4b6352d1.pdf , 16.12.2025.
