Ob in Filmen, auf Partys, oder auf der Straße: An vielen Orten wird im Alltag ständig und selbstverständlich geraucht. Mittlerweile gibt es verschiedene Variationen, wie die Zigarette, “Vapes”, und noch viele weitere. In diesem Artikel beziehe ich mich aber ausschließlich auf Zigaretten, die Form, die wir alle fast schon seit jeher kennen. Während die Nachteile, die Rauchen auf unseren Körper hat, der großen Mehrheit längst bekannt sind, ist vielen Menschen das Ausmaß der Umweltbelastung durch Zigarettenabfälle und Emissionen gar nicht bewusst. Folgenden Fragen bin ich daher nachgegangen: In welchen Bereichen wirkt sich Tabakkonsum genau auf die Umwelt aus und was ist so schädlich daran? Wie kann man die Folgen möglichst geringhalten und kann man abgesehen davon selbst aktiv werden, um das Problem langfristig einzudämmen? Ökotoxikologe Christian Kantner gibt Vorschläge für zukünftige Handhabung des Problems: „Auch der ökonomische Faktor ist interessant. Könnten wir uns durch strengere Regelungen bei Verschmutzung als Gesellschaft etwas sparen?“ Dem und vielem mehr widme ich mich in diesem Artikel.
Woraus besteht eine Zigarette?
Die gängigste und am meisten verbreitete Form von Tabakkonsum ist in Form von Zigaretten. Pro Jahr werden davon in Österreich ungefähr 13 Milliarden Stück versteuert verkauft.[1]
Der Aufbau einer industriell hergestellten Zigarette gestaltet sich einfach und unterschiedet sich von Marke zu Marke nie stark.[2] Der getrocknete Tabak ist häufig mit Zusatzstoffen versetzt, die das Rauchen nutzerfreundlicher machen sollen. Dies ist laut einem Informationsblatt des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz fahrlässig, da es das Rauchen attraktiver macht. So werden beispielsweise Zusatzstoffe zur Aufhellung des Rauchs genutzt oder solche, die den scharf-bitteren Geschmack verschleiern. Zudem kommt, dass viele der Zusatzstoffe lediglich für den Einsatz in Lebensmitteln oder Kosmetika als unbedenklich eingestuft worden sind, nicht aber, um im verbrannten Zustand inhaliert zu werden.[3]
Umwickelt ist der Tabak mit Papier und einer Schicht Klebstoff. Die meisten Zigaretten haben zudem einen Filter, der ebenfalls zweimal mit (evtl. bedrucktem) Papier umwickelt ist. Der Filter wurde in den 1950ern mit der Zunahme der Lungenkrebsfälle eingeführt. Er besteht meist aus dem Kunststoff Celluloseacetat und entfernt toxische Chemikalien aus dem Rauch, den eine Person direkt aus der Zigarette inhaliert. Durch den Passivrauch (Rauch, der von der Zigarette selbst ausgeht und Rauch, der wieder ausgeatmet wird) bleiben dennoch viele Schadstoffe, wie beispielsweise Kohlenmonoxid erhalten.[4] Wissenschaftlich ist geklärt, dass Zigarettenfilter die Nutzenden auch irreführen, da sie durch die verringerte Nikotinmenge eines Zugs vortäuschen, dass weniger Schadstoffe eingeatmet werden. Unter dieser Annahme rauchen Konsument:innen erwiesenermaßen häufiger und inhalieren stärker.[5]
Die Schäden durch Zigaretten
Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass das Rauchen für den menschlichen Körper viele schwerwiegende Nachteile bringt. Abgesehen vom stark abhängig machenden Nervengift “Nikotin”, welches beim Verbrennen von Tabak freigesetzt wird, ist das Rauchen (klassischer) Zigaretten der Auslöser stark erhöhter Gesamtmorbidität und Mortalität.[6] [7]
Zudem sind Zigarettenstummel als das häufigste Müllprodukt weltweit eine enorme Umweltbelastung. Pro Jahr kommen rund 4,5 Billionen Stück zusammen, allesamt werden sie unrechtmäßig entsorgt. Der Tabak wird zu über 90 Prozent in Ländern des Globalen Südens angebaut, da einige dabei eingesetzte Pflanzenschutzmittel beispielsweise in der EU verboten sind.[8] Die Arbeitsbedingungen in der Tabakindustrie gestalten sich demensprechend für Mensch und Natur schlecht: Abgesehen von der sozioökonomischen Komponente sind Arbeiter:innen durch das Risiko der Nikotinvergiftung und den Einsatz von Pestiziden gefährdet.[9] Oft werden Zigaretten als biologisches Produkt beworben, aber auch abgesehen von dem starken Einsatz umweltschädlicher Pflanzenschutzmittel ist eine Bio-Zertifizierung laut der nach WHO unmöglich, da Zigaretten zu große Mengen an Treibhausgas emittieren und so die Umwelt zu sehr zerstören.[10] Der Inhalt einer einzigen Zigarettenpackung verursacht knapp 300 Gramm Kohlendioxid von der Herstellung bis zur Entsorgung.[11]
Über Anbau und Produktion
Was man vielleicht im ersten Moment nicht bedenkt, ist, dass sich die Herstellung des Tabaks allein aufgrund des hohen Ressourcenverbrauchs negativ auf die Umwelt auswirkt: Zuallererst wird Wald, jährlich ungefähr 200.000 Hektar, für die Anpflanzung gerodet, was unter anderem Lebensräume verkleinert und den Klimawandel durch den schwindenden CO2-Speicher beschleunigt.[12] Fünf Prozent der weltweiten Waldabholzung ist auf die Tabakindustrie zurückzuführen. Die Rodung ist nötig, weil Tabakanbau mit hohem Pestizideinsatz und Monokulturen einhergeht, diese Kombination führt zu einem einseitig belasteten bis hin zu unfruchtbarem Boden, der nicht nachhaltig genutzt wird.[13] Auch die Trocknung der Tabakblätter kostet Ressourcen, denn das viele Holz für die Wärme erfordert ebenfalls Rodungen. Hinzu kommt der immense Wasserverbrauch: Eine Zigarette benötigt über den Produktionsprozess hinweg 3,7 Liter, hochgerechnet sind das 22 Millionen Tonnen Wasser weltweit in nur einem Jahr. Abschließend kommt auch der Transport hinzu, welcher durch die CO2-Belastung den Treibhauseffekt verstärkt und nicht zu vernachlässigen ist.[14]
Die falsche Entsorgung
Doch nicht nur in der Herstellung schaden Zigaretten unserer Umwelt. Vor allem die Entsorgung ist das Problem. Laut der Wiener Umweltanwaltschaft werden mehr als die Hälfte der Zigarettenstummel “gelittert”, also unrechtmäßig weggeworfen.[15] [16] Das größte Problem dabei sind die Zigarettenfilter, denn sie bestehen fast immer aus Celluloseacetat, einem Kunststoff, der ungefähr 15 Jahre braucht, um sich größtenteils zu zersetzen.[17] Achtlos weggeworfen bedeutet dies große Schäden für Boden und Wasser. Einerseits bleibt nach den 15 Jahren weiterhin Mikro- und Nanoplastik bestehen, welches durch Veränderung der Bodenstruktur, des Mikrobioms und der biochemischen Zusammenhänge die Ökosysteme zerstört.[18] Andererseits werden mit dem Filter bis zu 7000 gefilterte Chemikalien abgegeben.[19] Darunter sind Schwermetalle wie Blei und Kupfer, welche nicht abgebaut werden können und daher von Pflanzen, Tieren und Menschen aufgenommen werden. Beispielsweise Blei gilt laut der WHO sogar als eine der zehn bedenklichsten Stoffe für die breite Öffentlichkeit. Auch findet man polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, welche durch unvollständige Verbrennung organischem Material, in diesem Fall Tabak, entstehen.[20] Die Schadstoffe verbreiten sich hauptsächlich durch das Sickerwasser (Leachat) im Boden. Im Wasser stören sie unter anderem die Fähigkeit der Selbstreinigung des Wassers. Die angeführten Belastungen sind lediglich eine Auswahl.
Ein Blick in die Zukunft

Um nun herauszufinden, wie man mit dem Problem umgehen könnte, habe ich ein Interview mit Christian Kantner geführt. Durch seine Expertise als Ökotoxikologe und Biologe ist er mit der Thematik vertraut. Seinen Beitrag leistet er seit vier Jahren, indem er mehrmals die Woche Cleanups durchführt, bei denen er im Umkreis von einem Kilometer um seine Wohnung in Wien Zigarettenabfälle sammelt und die Ergebnisse dokumentiert. “In 30 Minuten kommen um die 500 bis 600 Stück zusammen”, erklärt er. Als Beweggrund für sein Engagement nennt der Toxikologe einerseits die Generationenverantwortung, andererseits die Verantwortung, die wir als Gesellschaft gegenüber der Natur hätten.
“Ich sehe es nicht ein, dass wir Menschen die Umwelt auf vielfältigste Weise zerstören und vergiften, weil es aus meiner Sicht großteils vermeidbar wäre.” Kantner erzählt unter anderem von Begegnungen mit Menschen während der Cleanups. Viele Menschen seien sehr festgefahren in ihren Ansichten und würden ungerne auf ihr Fehlverhalten hingewiesen, andere seien auch erstaunt, wenn sie von den Umweltschäden durch Zigarettenabfälle erfahren. Das Wissen über das Schadensausmaß fehle, daher hält Christan Kantner beispielsweise ein Schulfach für Umweltbildung, aber auch mehr mediale Aufmerksamkeit für sinnvoll.
Damit es aber zu einer grundlegend besseren Situation kommt, sei es besonders wichtig, dass auf nationaler Ebene etwas geschieht. Kantner spricht sich deswegen für die Einführung des „Zigarettenpfands” aus. Bei diesem Prinzip soll es pro Zigarette 20 Cent Pfand geben, die Filter würden ähnlich wie beim Flaschenpfand in Automaten eingeworfen und re- oder downgecycelt werden. Außerdem schlägt er ein allgemeines Rauchverbot vor Kindergärten und Schulen vor “und dass die Polizei oder die ‘Waste Watcher’, die es in Wien gibt, das regelmäßig kontrollieren, das würde viel Sinn machen. Höhere Strafen sind ein Teil der Lösung und ich bin der Meinung, dass es vermehrte Kontrollen geben sollte.” Als wichtigen Punkt nennt er außerdem, dass einige Studien bereits zeigen, dass Kosten für präventives Sensibilisieren geringer sind als die, die es braucht, um im Nachhinein mit der Zigarettenbelastung umzugehen.
Abschließend möchte ich dazu anregen, dass wir uns sensibilisieren und unser Verhalten hinterfragen. Wenn euch, genau wie mir, vor der Recherche, einiges neu ist, appelliere ich, sich die Fakten zu Herzen zu nehmen und dem Thema in Zukunft mehr Beachtung zu schenken. Denn wie oft sehen wir jemanden eine Zigarette achtlos wegschnippen? Und wie oft denken wir uns dabei nichts weiter?
Aufgepasst: Wir haben einen Workshop, der diese Thematik unter anderem behandelt! Hier gehts zu „Mülltrennung 2.0“.
[1]
BAT: Der österreichische Tabakmarkt. 2024. https://www.bat-austria.at/nachhaltigkeit-und-verantwortung/der-oesterreichische-tabakmarkt, 16.2.2026.[2]
Greenhalgh, Elizabeth M. u. a., Tobacco in Australia: facts and issues. 1/2022. https://www.tobaccoinaustralia.org.au/chapter-12-tobacco-products/12-8-construction-of-cigarettes-and-cigarette-filters?utm, 16.2.2026.[3]
Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Information über 15 ausgewählte Tabakzusatzstoffe. Erhöhtes Gesundheitsrisiko durch Tabakzusatzstoffe. S. 1-2. Informationen über 15 ausgewählte Tabakzusatzstoffe, 16.2.2026.[4]
Greenhalgh, Elizabeth M. u. a., Tobacco in Australia: facts and issues. 1/2022. https://www.tobaccoinaustralia.org.au/chapter-12-tobacco-products/12-8-construction-of-cigarettes-and-cigarette-filters?utm, 16.2.2026.[5]
Hoher Gesundheitsrat: Die Auswirkungen von Zigarettenfiltern auf die öffentliche Gesundheit und auf die belgische Umwelt. April 2023. https://www.hgr-css.be/file/download/098cbc17-ae04-4514-8010-d5bba00854f0/Wg69TbUl7VjTOmKq0z86XGNflAyi4n21Jf1s4YMw8I3d.pdf, 27.2.2026.[6]
Beyer, Jan-Ole: Die Kulturgeschichte des Tabaks. 2001. https://www.binaerwelt.de/downloads/tabakgeschichte.pdf 12.2.2026.[7]
Sherman, Charles B: Health effects of Cigarette Smoking. 10/2016. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0272523121008145, 27.2.2026.[8]
Posch Waltraud: Wie Tabak der Umwelt schadet. 4.10.2022. https://www.ongkg.at/fileadmin/user_upload/Konferenz/2022/PE5_Posch.pdf, 27.2.2026.[9]
World Health Organization: Tobacco: Poisoning our planet. 2022. https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/531014bb-58f7-4bd1-bbd8-0aefc07a44c5/content, 27.2.2026.[10]
AOK Gesundheitsmagazin: Rauchentwöhnung: Ein persönlicher Beitrag zum Umweltschutz. 17.2.2021. https://www.aok.de/pk/magazin/wohlbefinden/motivation/auswirkungen-von-rauchen-auf-die-umwelt/, 2.3.2026.[11]
World Health Organization: Tobacco: Poisoning our planet. 2022. https://iris.who.int/server/api/core/bitstreams/531014bb-58f7-4bd1-bbd8-0aefc07a44c5/content, 27.2.2026.[12]
Generatión ens Tabac: Tabak: Eine heimliche Belastung für die Umwelt. 9.12.2024. https://www.generationsanstabac.lu/de/post/tabak-eine-heimliche-belastung-f%C3%BCr-die-umwelt, 2.3.2026.[13]
Arbeitsgemeinschaft Tabakproduktion Schweiz: Der Tabak und die Umwelt. 6/2024. https://www.at-schweiz.ch/de/wissen/nachhaltigkeit/umwelt/, 2.3.2026.[14]
Generatión ens Tabac: Tabak: Eine heimliche Belastung für die Umwelt. 9.12.2024. https://www.generationsanstabac.lu/de/post/tabak-eine-heimliche-belastung-f%C3%BCr-die-umwelt, 2.3.2026.[15]
Stoifl, Barbara u. a.: Littering in Österreich. 2020.https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0730.pdf, 2.3.2026.[16]
Wiener Umweltanwaltschaft: Zigarettenstummel – Eine Verstümmelung der Lebensräume! 9/2020. https://wua-wien.at/umweltmanagement/abfallwirtschaft/2240-zigarettenstummel, 2.3.2026.[17]
Generatión ens Tabac: Tabak: Eine heimliche Belastung für die Umwelt. 9.12.2024. https://www.generationsanstabac.lu/de/post/tabak-eine-heimliche-belastung-f%C3%BCr-die-umwelt, 2.3.2026.[18]
Wang, Kai u. a.: Microplastics and soil microbioms. 2025. https://link.springer.com/content/pdf/10.1186/s12915-025-02387-5.pdf, 2.3.2026.[19]
Green, Danielle S. u. a.: Time to kick the butt of the most common litter item in the world: Ban cigarette filters. 20.3.2023. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969722083607?ref=pdf_download&fr=RR-2&rr=9d782ca60b583257, 2.3.2026.[20]
Greenhalgh, Elizabeth M. u. a., Tobacco in Australia: facts and issues. 1/2022. https://www.tobaccoinaustralia.org.au/chapter-12-tobacco-products/12-8-construction-of-cigarettes-and-cigarette-filters?utm, 16.2.2026.
